Geschichte

Altes Rathaus Völkermarkt

Das Alte Rathaus in Völkermarkt, das auch Gericht war, zählt mit seinen spätgotischen Arkaden und dem Laubengang im Erdgeschoss (1499) zu den bedeutendsten spätmittelalterlichen Profanbauten in Kärnten und ist Zeugnis städtischer Rechtsprechung und Selbstverwaltung dieser Stadt (BDA, 07.12.2004).

Die erste Marktgründung in Völkermarkt erfolgte 1090 an wichtigen Verkehrswegen im Bereich St. Ruprecht durch Graf Engelbert I von Spanheim (mit Zustimmung König Heinrich IV, der von 1084 bis 1106 römisch-deutscher Kaiser war). Dessen Vater Siegfried heiratete Richgard von Lavant und übernahm damit umfangreiche Besitzgüter dieser Familie in Tirol, Kärnten (auch Völkermarkt) und den südöstlichen Marken (Untersteiermark, Krain, Friaul und Istrien). Graf Engelbert I von Spanheim stammte aus dem fränkischen Geschlecht der Spanheimer (Rheinland) das mit dem salischen Königshaus verbunden war. Die Spanheimer waren ab 1122 Herzöge von Kärnten, deren Linie in Kärnten 1279 endete.

Die erste Marktgründung in Völkermarkt erfolgte in einer Zeit tief greifender Änderungen im politischen Ordnungssystem des christlichen Abendlandes, äußerte sich im Machtkampf zwischen Kaiser und Papst (Investiturstreit 1056 bis 1125) und ordnete die Machtstruktur des frühen Mittelalters neu. 

Richgards Vater, Engelbert von Lavant, entstammte dem bayerischen Geschlecht der Sieghardinger, war Graf in Oberbayern, Graf im Lavanttal, Graf im Inn-, Eisack- und Pustertal und Vogt des Erzbistums Salzburg und des Bistums in Brixen und Meran. Richgards Mutter war Liutgard von Istrien (auch: Liutgard von Bayern). Die Besitzgüter ihrer Familie befanden sich zum Teil auch in Karantanien, das ab der ersten Hälfte des achten Jahrhunderts zum Herzogtum Bayern (Baiern) gehörte und vor der Jahrtausendwende (976) mit den Marken Friaul, Istrien, Krain und der karantanischen Mark an der Mur eigenständiges Herzogtum Kärnten ("Amtsherzogtum") wurde. Der Herzog von Kärnten verwaltete zu dieser Zeit auch die Mark Verona, die als Zugang nach Italien diente, und sicherte damit mit anderen ihm unterstellten Marken die südöstliche Reichsgrenze. 

Richgard von Lavant (1005 - 1072) lebte zur gleichen Zeit wie Hemma von Gurk (1000 - 1045) die ihrerseits verwandschaftlich mit dem bayerischen Geschlecht der Luitpoldinger verbunden war und Besitzungen in der Steiermark, Kärnten (auch in der Umgebung von Völkermarkt) und den südöstlichen Marken innehatte.

Zeitgleich mit der Entstehung des ersten Marktes in Völkermarkt gründete Graf Engelbert I von Spanheim (verstarb 1096) mit  seinem Bruder Hartwig, der Erzbischof von Magdeburg (Sachsen-Anhalt) war, in der Burg der Mutter (die an diesem Ort mit dem Bau einer Kirche begonnen hatte) das Kloster St. Paul im Lavanttal (1091), schenkte diesem "Eigenkloster" der Spanheimer Besitzgüter in der Umgebung zur Drau, der Untersteiermark und Friaul und siedelte Benediktinermönche aus Hirsau im Schwarzwald (Reformkloster) an. Vogt (Schutzherrschaft, Verwaltung und Gerichtsbarkeit) des Klosters St. Paul war laut Papstprivileg der jeweilige Haupterbe des Gründergeschlechts der Spanheimer.

Die Söhne des Grafen Engelbert I von Spanheim, Graf Bernhard von Trixen, der auch Markgraf der Windischen Mark (Krain) war (dieser gründete 1142 das Kloster Viktring und verstarb 1147 am zweiten Kreuzzug nach Palästina in Kleinasien), und Bischof Hartwig von Regensburg sind ohne Leibserben gestorben. Laut Schenkungsurkunden zwischen 1105 und 1126 vermachten diese ihren geteilten Völkermarkter Besitz (im Falle des Todes ohne Leibserben unter Vorbehalt des Nutzgenusses) mit dem 1090 gegründeten "Volchimercatus" und dem "Forum Judeorum" dem Kloster St. Paul (1161). 

Graf Bernhard von Trixen, der nach dem Tod seines Bruders Bischof Hartwig (1126) auch dessen Erbe übernahm, verfügte sein verbleibendes Vermögen in Kärnten und den südöstlichen Marken als Gesamterbe den steyrischen Otakaren und schmälerte dadurch empfindlich die materielle Macht der Spanheimer in dieser Region (1147).

Die Nachkommen in diesem Geschlecht gaben sich, als sie Herzöge von Kärnten waren, u.a. mit dem Verlust von Völkermarkt an das Kloster St. Paul nicht zufrieden, was in der Folge zu Auseinandersetzungen führte.

Herzog Bernhard II von Spanheim (1180 - 1256) heiratete Judith, die Tochter des böhmischen Königs Ottokar I von Premysl, und ließ 1217 in Völkermarkt als Vogt des Klosters St. Paul (auf St. Pauler Grund) eine Brücke über die Drau erbauen und gründete 1231 südöstlich des bestehenden Marktes auf dem Plateau darüber (auf St. Pauler Grund) einen neuen befestigten Markt mit städtischen Privilegien (zweite Marktgründung in Völkermarkt). Die Besitzrechte mit dem Kloster wurden danach geregelt. Abt Leonhard von St. Paul übergab dem Herzog im Vergleich von 1239 auch einen "Berg" auf dem er begonnen hatte seine Burg zu bauen (Bürgerlust über der Drau?). Zur Entwicklung dieses Marktes siedelte Herzog Bernhard II jüdische Kaufleute und Familien aus dem Rheinland in Völkermarkt an.

Ein weiteres Vorhaben, ähnlich dem in Völkermarkt, hatte Herzog Bernhard mit dem Bau der Draubrücke bei Wernberg, östlich von Villach, im Sinne. Auf einem vom Stift St. Paul erworbenen Grundstück lies er 1226 (über dem linken Drauufer) die Burg Wernberg errichten und begann mit dem Bau einer zweiten Brücke über die Drau. Mit diesem Übergang und einem Markt auf der davorliegenden Drauinsel wollte er die Vorherrschaft der Bamberger brechen, die mit ihrer Draubrücke in Villach den Handel nach Süden kontrollierten. Herzog Bernhard hatte jedoch die Macht des Bischofs von Bamberg unterschätzt. Im Vergleich von 1227 musste er die Draubrücke abtragen und die Burg Wernberg als bambergisches Lehen in Empfang nehmen. Er durfte an diesem Ort weder einen öffentlichen Markt halten noch auf der in der Drauschleife liegenden Halbinsel eine Befestigung oder einen Markt errichten.

1231 ist für Völkermarkt von einer weiteren wesentlichen Bedeutung: Im Jahr der Gründung des zweiten Marktes durch Bernhard II auf dem Plateau über der Drau gründete Erzbischof Eberhard II von Salzburg mit Zustimmung des Papstes in St. Ruprecht bei Völkermarkt ein Kollegiatkapitel (freie Gemeinschaft von Kanonikern mit einem Probst an ihrer Spitze), das später in die Stadt verlegt wurde, und stattete dieses und die Kanoniker (Chorherren) mit reichlichem Besitz aus (der Bau der neuen Kirche Maria Magdalena zu Völkermarkt (1240 - 1247) und die Verlegung des Kollegiatkapitels St. Ruprecht nach Völkermarkt gründen in der Bedeutung und dem Herrschaftsanspruch in dieser Stadt). Der jeweilige Probst des Kollegiatstiftes Völkermarkt, das später in Tainach residierte, war bis zur kirchlichen Neuordnung des Gebietes durch Kaiser Josef II (1784) auch zeitweise Archidiakon und Verwalter der Kirchenprovinz Salzburg in Unterkärnten (Gebiet nördlich der Drau).

Die Kirche St. Ruprecht zählt wie die Kirche Maria Saal zu den frühen religiösen Zentren unseres Landes und ist eng mit der Christianisierung Karantaniens ausgehend von Salzburg (Virgil und Modestus) ab der Mitte des achten Jahrhunderts verbunden. Die Christianisierung des Gebietes südlich der Drau erfolgte über Aquileia. St. Ruprecht ist auch Mutterkirche der drei Hemmakirchen des Trixnertales (1043) und war ab 1148 Sitz des Archidiakons für das Erzbistum Salzburg in Teilen Kärntens.

Bernhard II von Spanheim war von 1202 - 1256 Herzog von Kärnten. Durch die zweite Marktgründung in Völkermarkt ist ihm ein entscheidender Herrschaftsausbau gegenüber der Kirche (Kloster St. Paul und Erzbistum Salzburg) gelungen und fügte seinen landesfürstlichen Städten Klagenfurt und St. Veit eine dritte hinzu. Herzog Bernhard II, der 1256 in Völkermarkt gestorben und im Kloster St. Paul, der Grablege der Spanheimer in Kärnten, bestattet ist, konzentrierte in den letzten Regierungsjahren sein machtpolitisches Interesse auf Krain. Er brachte wichtige Verkehrswege (Passübergänge) nach Süden (Völkermarkt - Seeberg, St. Veit - Klagenfurt - Hollenburg - Loibl) unter seine Kontrolle und gründete 1234 im Südosten Sloweniens (Krain) die Stadt Landstrass an der Gurk (Kostanjevica/Krka), die an dieser Stelle eine Schleife mit einer Halbinsel bildet, und in der Ebene danach, zwischen dem Fluss und dem Sichel-Gebirge (Zumberak-Gebirge) nahe der Grenze zum heutigen Kroatien (Naturpark Zumberak), das Kloster Mariabrunn (Tochterkloster von Viktring). Herzog Bernhard strebte nach der Herrschaft in Krain, die er für seinen Sohn Ulrich III sichern konnte (Herzogtum Kärnten - Krain).

Die Leistungen der Spanheimer und die Herzog Bernhard II sind für Kärnten von besonderer Bedeutung.

Nachdem die Linie der Grafen von Spanheim und ihre Herzogwürde in Kärnten nach Ulrich III und Philipp von Spanheim (Söhne Herzog Berdhard II) 1279 endete, ging diese an die Grafen von Görz - Tirol und später an das Haus Habsburg - Lothringen über. Ihr Herzog Albrecht II von Österreich verlieh Völkermarkt 1342 formell das Stadtrecht mit eigener Verwaltung und Gerichtsbarkeit.

Zuvor wurden in der Urkunde vom 16. August 1252 die vier Städte der Spanheimer: St. Veit, Völkermarkt, Klagenfurt und Landstrass an der Gurk erstmals als "civitates" bezeichnet.

In der Urkunde des Hochstiftes Freising vom 16. August 1252 werden die Exkommunikation Herzog Bernhards von Kärnten und das Interdikt über die Städte St. Veit, Völkermarkt, Klagenfurt und Landstrass publiziert: "Dekan P(ilgrimus) und R(udolfus) - einst Probst von Seckau - schreiben, dass, als sie nach gesetzmäßiger Zitierung und am bestimmten Tage in Judenburg zu Gericht sassen, der Prokurator des Bischofs von Freising erschienen sei und dargetan habe, dass Herzog Bernhard, obzwar zur rechten Zeit vorgeladen, dennoch weder persönlich erschienen ist, noch einen Prokurator gesendet hat, weshalb sie den Herzog exkommunizieren und über die Städte St. Veit, Völkermarkt, Klagenfurt und Landstrass das Interdikt verhängen ...".

Die Brücke über die Drau war über viele Jahrhunderte Lebensader dieser Stadt. Hier kreuzten sich, an strategisch wichtiger Stelle, alte Eisenwege aus dem Norden (Norische Region) über den Seeberg nach Krain bis zur Adria und dem Osten (Waldenstein im Lavanttal) über das Untere Tal der Drau nach Villach und weiter Richtung Süden. Aus dem Gebiet der Petzen wurde Blei nach Norden gebracht. 1405 erhielt Völkermarkt ein Niederlegungsprivileg (Verkaufsmonopol) für das durch die Stadt gebrachte Eisen, das Kaiser Friedrich III (residierte im Mai und Juni 1470 zur Ungarn- und Türkengefahr in Völkermarkt) 1479 erweiterte. Die Einnahmen daraus und die Brückenmaut waren für die Stadt und das Stift St. Paul von wesentlicher Bedeutung.

1498 übergibt Kaiser Maximilian I von Österreich (Sohn Kaiser Friedrichs III) die funktionslos gewordene "Judenschule (Synagoge/Judentempel) und den Judenplatz (im Bereich der Unteren Stadt) dem Richter und Rat (den Bürgern) von Völkermarkt für den beabsichtigten Bau einer Kirche zu Ehren des heiligen Johannes" (Innsbruck, Regest KM vom 13.03.1498). Davor (1496) verfügte Kaiser Maximilian I die Ausweisung jüdischer Familien aus Innerösterreich und damit auch aus Völkermarkt, die eine der ältesten Judengemeinden Kärntens beherbergte.

Zeitgleich wurde Ende des 15. Jahrhunderts eine bestehende Häusergruppe am Gelenk des Unteren Hauptplatzes in Völkermarkt zusammengeschlossen und umgestaltet. Bürger dieser Stadt errichteten bis 1499 süd- und ostseitig davor einen Laubengang mit Pfeilerarkaden und erweiterten den Bereich darüber mit zum Teil offenen Bögen (Loggia); das Dach wurde nachgezogen. Nunmehr diente dieser Gebäudekomplex als Rat- und Gerichtshaus der Stadt und wurde später mehrmals verändert. Die späteren Umbauten betreffen zum großen Teil nicht den spätgotischen Laubengang im Erdgeschoss.

Die Kirche St. Magdalena zu Völkermarkt (spätromanische Basilika; 1240 kauften Bürger dieser Stadt vom Kloster St. Paul Hofstätten zum Bau der Kirche mit Friedhof), die nach der Fertigstellung (1247) auch Kirche des Kollegiatkapitels war und 1485 die Pfarrrechte erhielt, befindet sich in der Nähe des Rat- und Gerichtshauses. Der spätgotische Umbau dieser Kirche wurde 1493 abgeschlossen

Mit dem Aufblühen der Städte im Mittelalter und der Verleihung von Stadtrechten entwickeln sich Rathäuser zu bedeutenden Profanbauten und stehen als Ort der Eigengerichtsbarkeit und städtischer Selbstverwaltung im Blickpunkt öffentlichen Interesses. Die Architektur des späten Mittelalters schuf drei Bauelemente die, ob insgesamt oder einzeln, viele Rathäuser des europäischen Raumes in dieser Zeit besitzen: den Turm, die Laube und die Freitreppe.

Am auffälligsten sind die Türme; oft in Konkurrenz zu Kirchen gebaut. Diese, ausgestattet mit Glocke und Uhr, dienten dem Selbstverständnis der Bürger, dem Auslug, der Aufbewahrung von Archiven und dem Gerichtsvollzug (in den Turm werfen). In der Laube, meist stand ein Pranger oder Galgen davor, und in der dahinter liegenden Stube wurde Gericht gehalten (Gerichtslaube, Gerichtsstube). Diese Räume wurden auch für den Handel und für Bürgerversammlungen genutzt. Die Freitreppe diente der Repräsentation und führte zum Ratssaal ins Obergeschoss (Ratsversammlung, Feste).

Aussagen über eine frühe Nutzung des Alten Rathauses in Völkermarkt können durch die Nutzung gleichartiger Gebäude (Turm, Gerichtslaube, Gerichtsstube, Bürgerstube, Ratssaal) getroffen werden. Die Verwendung dieser Räume hat sich über die Jahrhunderte geändert. Aus den Ratsprotokollen (Kärntner Landesarchiv: Ratsprotokolle der Stadt Völkermarkt) ist so manches ersichtlich:

Zentraler Raum des Alten Rathauses war die Gerichts- und Bürgerstube im Süd- Ostbereich des Erdgeschosses. Dieser Raum diente, wie der davor liegende Laubenbereich (Gerichtslaube), der Gerichtsbarkeit und den Bürgerversammlungen. Vor dem Laubengang befand sich am Platz der Pranger als Ort des Strafvollzugs und öffentlicher Demütigung. Bis 1850 wurde an der Süd-Ost-Ecke des Hauses vor Jahrmärkten (Ruperti- und Nikolomarkt) die "Freiung", eine "Faust mit gewöhnlichem Schwert", angebracht. In der Bürgerstube wurden die acht des "Äußeren Rates" gewählt.

Das Ratsherrenzimmer befand sich im ersten Obergeschoss über der Bürgerstube und Teilen des Laubenganges und war durch ein spätgotisches Portal mit Stabgewänden im Erdgeschoss und über eine innen liegende Treppe erreichbar. Im Ratsherrenzimmer ("Rathsstube") amtierten der "Stadtrichter" und die 12 "Rathsverwandten" des Inneren und die 8 des Äußeren Rates.

Öffnet man die Bausubstanz, kommen historische Details zum Vorschein: Frühmittelalterliche Gebäudestrukturierungen und Gebäudeteile im Erdgeschoss aus der Zeit der Stadtgründung im 13. Jahrhundert, die Arkaden, der Laubengang und Eingangsportale im Erdgeschoss, weitere Aus- und Einbauten im Erd- und Obergeschoss, offene Bögen (Loggia) im Obergeschoss aus der Zeit der Spätgotik (15. Jahrhundert), die Ausgestaltung der "Rathsstube" und andere Details. Im nord- westlichen Bereich des Gebäudes befindet sich ein Keller mit gotischen Einbauten. Von Bedeutung ist auch der auf Vorgängerbauten errichtete Turm mit Glocke und Uhr. Das Gebäude wird in dieser Form auf historischen Darstellungen gezeigt (Merian, Topographia Provinciarum Austriacarum 1649; Valvasor, Topographia Archiducatus Carinthiae 1688; Stadtpfarrkirche Völkermarkt, 14-Nothelfer-Altar 1714 und Florianibild 1796).

Nach dem Stadtbrand im Oktober 1830, bei dem der Turm des Rat- und Gerichtshauses zusammen mit dem Nordteil des Hauses und anderen Teilen der Stadt zerstört wurde, wurde dieser nicht mehr aufgebaut und ist als abgebrochenes Mauerwerk im Dachgeschoss einsehbar. 

Bis 1788 diente das Gebäude der Verwaltung und Gerichtsbarkeit dieser Stadt. Danach, bis 1850, hatte hier der Magistrat der Stadt, vertreten durch den vom Bürgerausschuss gewählten Bürgermeister und 2 Ratsmännern, seinen Sitz. Nach der Gemeindereform 1850 übersiedelte das neue "Stadtgemeindeamt" in das "Stadtamtshaus" an die gegenüberliegende Südseite des Platzes (heute: Hauptplatz 16). Danach verblieben bis 1868 einzelne Abteilungen des gemischten Bezirksamtes (Bezirkshauptmannschaft) und bis 1896 das k.k. Bezirksgericht im Alten Rathaus. 1896 siedelte die Städtische Sparkasse der Stadt Völkermarkt in dieses Haus und nutzte Teile davon bis 1951; andere Teile wurden für Wohn- und Geschäftszwecke verwendet.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges beanspruchte die FSS (Field Security Service) der britischen Besatzungsmacht bis zu deren Umzug nach Klagenfurt in 1951 Teile des ersten Obergeschosses im Alten Rathaus.

Größere Umbauten und Sanierungsmaßnahmen erfolgten in der Zeit nach dem Stadtbrand 1830, in 1843 durch die Neugestaltung der Außenfassade (Biedermeier), 1896 anlässlich des Einzugs der Städtischen Sparkasse und in den Jahren 1940 (Rückbau der Biedermeierfassade), 1972 und ab 2003.

Der spätgotische Laubengang mit den Arkaden und Portalen im Erdgeschoss des Alten Rathauses wurde zuletzt 2011 unter Wahrung der historischen Substanz und Mitwirkung des Bundesdenkmalamtes umfassend saniert.

Das Gebäude dient heute Büro- und Geschäftszwecken der Stadt und Region.

Wegen des wohlerhaltenen gotischen Laubenganges im Erdgeschoss und des auch in kultureller und historischer Hinsicht für die Stadt Völkermarkt bedeutungsvollen Hauses wurde dieses unter Denkmalschutz gestellt (BDA, 12.01.1940).


Mag. Dr. Walter Ganster
Völkermarkt, 04.09.2020